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Hilfe für Flüchtlinge

Hetlinger sagen willkommen
Heute zieht die erste Familie in das Haus für Asylsuchende ein. Wie lange sie bleibt, ist ungewiss. Seit Donnerstag anerkannte Flüchtlinge.

HETLINGEN | Die Hilfswelle rollt und rollt: Wenn heute eine achtköpfige Familie aus dem Irak in Hetlingen ihr neues Zuhause bezieht, haben im Vorfeld viele Hände angepackt. Bürgermeisterin Monika Riekhof (CDU) ist überwältigt davon, wie hilfsbereit ihre Bürger sind. Wie lange die Jesiden allerdings in dem 160 Quadratmeter großen Haus bleiben werden, ist inzwischen ungewiss. Das Ehepaar mit sechs Kindern im Alter von zwei bis zehn Jahren hat seit Donnerstag eine auf drei Jahre befristete Anerkennung als Flüchtlinge. Und kann somit den Aufenthaltsort selbst bestimmen.

Immer mehr Asylsuchende kommen in die Bundesrepublik. Die Städte und Gemeinde sind angehalten, ein zugewiesenes Kontingent in den eigenen Grenzen unterzubringen. In Hetlingen wurde nach dem Haseldorfer Vorbild beschlossen, ein Haus anzumieten und Familien aufzunehmen.

Riekhof rief einen „Runden Tisch“ ins Leben, der inzwischen zweimal tagte. Betten, Teppiche, Waschmaschine – alles wurde von den jeweiligen Beauftragten organisiert. „Das ist Hetlingen, da macht man mal ’ne Rundmail an Vereine und Verbände und dann rollt das – es wird zum Selbstgänger“, sagt die Christdemokratin nicht ohne Stolz.

Die Gemeinde aber ist durch die plötzliche Anerkennung der Familie als Flüchtlinge in einer Zwickmühle. Sie fällt nun nicht mehr in das Kontingent. Neue Hilfesuchende werden seitens des Kreises dem Amt Haseldorf, zu dem Hetlingen gehört, zugewiesen. Dass das alles so schnell gehen würde, davon wurde Riekhof überrascht: „Wir hatten gehofft, dass die Familie, besonders die Kinder, bei uns etwas zur Ruhe kommen können.“ Die Anerkennungsverfahren dauern, so die Bürgermeisterin, zwischen sechs und 18 Monate. Der erste Teil der Familie kam im August 2014, der Rest folgte später. Untergebracht waren die Asylsuchenden bisher in einer Dreizimmerwohnung in Uetersen. Aber die ist gekündigt.

Für Riekhof ist es selbstverständlich, dass die sechs Jungen und Mädchen mit ihren Eltern vorerst in dem Haus für Asylsuchende unterkommen können. „Wie es weitergeht ist ein großes Fragezeichen“, sagt Riekhof. Ob die Familie auf dem Land leben möchte, wisse sie nicht. Möglich sei auch eine Familienzusammenführung, denn Angehörige leben in Nordrhein-Westfalen. Die älteren Kinder gehen vorerst bis zu den Sommerferien in Uetersen zur Schule. In der Birkenallee-Schule gibt es eine Integrationsklasse.

Fest steht aber, dass die Arbeit der Hetlinger nicht umsonst war. Denn wie immer sich die Familie entscheidet – ob sie versucht, im Dorf oder anderwo heimisch zu werden – das Haus bleibt für Asylsuchende. Zwei Familien könnten dort problemlos untergebracht werden, so Riekhof.

Hetlingen will Flüchtlingen helfen
In zweiWochen kommt eine achtköpfige irakische Familie in die Marschgemeinde / „Runder Tisch“ zur Betreuung einberufen

HETLINGEN/HASELDORF /
HASELAU
Das Thema Flüchtlingsunterbringung beschäftigt seit Monaten auch die Kommunalpolitiker der Dörfer von Marsch und Geest. Das Amt Haseldorf hat inzwischen 20Männer, Frauen und Kinder zu betreuen. Von den drei Amtsangehörigen Gemeinden hat bisher nur Haseldorf ein Kontingent aufgenommen. Nun sollen auch in Hetlingen Flüchtlinge unterkommen. Das hat Bürgermeisterin Monika Riekhof (CDU) mitgeteilt. Damit die Dorfgemeinschaft eingebunden wird, ist ein „Runder Tisch“ ins Leben gerufen worden. Während der ersten Veranstaltung mit Vertretern des DRK, des Kinder- und Jugendrats, der Notnogels, des HMTV und des Marschtreffs im Feuerwehrhaus gab Haseldorfs Bürgermeister Uwe Schölermann (CDU) Tipps. In seiner Gemeinde sind zwei Familien mit insgesamt acht Personen untergebracht. Die anderen zum Amt Haseldorf gehörenden leben in Uetersen, Holm und Elmshorn. Ziel soll es sein, vor Ort Unterbringungsmöglichkeiten zu finden, so die einhellige Meinung über Parteigrenzen hinweg.

Bürgermeister gibt Starthilfe in Haseldorf
Schölermann hat im Sommer 2014 die ersten Erfahrungen gesammelt. Der Bürgermeister hat seitdem sehr viel Zeit und Herzblut investiert. „Das sind ganz arme Menschen“, sagte der Christdemokrat. Als die erste dreiköpfige Familie aus der Ukraine in seine Obhut kam, hatte das Ehepaar mit einem dreijährigen Kind weder etwas zu essen noch Geld. „Es war 17 Uhr, wir sind dann erstmal einkaufen gefahren, und ich hab das bezahlt“, erinnerte er sich. Schölermann organisierte Sprachunterricht, fuhr anfangs seine Neubürger dafür sogar nach Holm. Inzwischen sind die Staatenlosen aus der Ukraine integriert, haben Busfahrkarten und dank der Flexibilität der Raiffeisenbank Elbmarsch sogar ein Konto. „Schön, dass wir eine Hausbank haben, die das mitmacht“, lobte Schölermann. Der Deutschunterricht hat gefruchtet. „Man kann sich mit ihnen unterhalten.“ Wenn alles gut gehe, soll der Mann bald als Ein-Euro-Jobber tätig sein dürfen. Schwieriger sei es mit der neuen Familie, so Schölermann. Die Kosovo-Albaner seien Analphabeten, ein ehrenamtlicher Sprachunterricht durch das Holmer Ehepaar Berthold und Brigitte Zacharias also nicht möglich.

InHetlingen wird Ende des Monats eine achtköpfige Familie eine neue Heimat finden. Das irakische Ehepaar ist 30 Jahre alt, die Kinder sind ein Jahr, zwei, sechs und neun Jahre alt, ein Zwillingspärchen ist sieben. Seit August 2014 leben sie in Uetersen. Ein Haus ist gemietet. Riekhof hat bereits viele Sachspenden erhalten. „Ich führe eine Liste“, sagte sie. Während die in Haseldorf untergebrachten Flüchtlinge vom Sozialamt in Tornesch betreut werden, sind die Hetlinger beim Sozialamt der Stadt Wedel angesiedelt. Die irakischen Kinder werden die Familienklassen der Hetlinger Grundschule besuchen. Vize-Bürgermeister Michael Rahn von der Freien Wahlgemeinschaft (FW): „Unsere Kinder lernen dann, den anderen zu helfen, das ist ideal.“

Der zweite „Runde Tisch“ am Mittwoch, 25. Februar, beginnt um 19 Uhr im Feuerwehrhaus, Hauptstraße 65. Gesucht werden unter anderem Betten. Angebote nimmt Riekhof per E-Mail entgegen:
Monika.Riekhof@gmx.de

DRK-KONTO FLÜCHTLINGE
Der Hetlinger Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes hat bei der Raiffeisenbank Elbmarsch ein Konto für die Flüchtlingsbetreuung eröffnet.
DRK Hetlingen, Stichwort:
Flüchtlingshilfe Hetlingen,
IBAN:DE 23221631140001400831


12.02.2015, Wedel-Schulauer Tageblatt, von Andrea Stange